Meditation? Das kann ich nicht ... oder?

Foto: Annett Förster
Foto: Annett Förster

Das höre ich so oft. Bis vor rund 15 Jahren habe ich dasselbe geglaubt. Meditation war für mich etwas völlig Unerreichbares, das nur bestimmte Menschen „können“. Leer sein im Kopf? Keine Gedanken haben? ICH? Zum Lachen.

Dann habe ich meine ersten Lehrer kennengelernt, bei denen ich einen Meditationskurs belegt habe. Und ich war hocherfreut, zu erfahren, dass es keineswegs nur diese eine Form, sondern sehr viele Möglichkeiten der Meditation gibt. Meditation ist für jeden etwas Individuelles, sowohl in der Ausführung als auch in der Zielsetzung. Jeder kann seine eigene Art des Meditierens praktizieren. Unterschiedlich tief, unterschiedlich lang, mit unterschiedlichen Intentionen und Zielen, auf unterschiedliche Weise, an unterschiedlichen Plätzen, in Bewegung oder Ruhe, im Sitzen, Stehen, Liegen, Laufen, sogar beim Geschirrspülen oder beim Bügeln.

Was ist denn überhaupt Meditation?

Der Begriff Meditation stammt laut Wikipedia vom lateinischen meditatio (zu meditari) ab und bedeutet soviel wie „nachdenken, nachsinnen, überlegen“, und vom griechischen μέδομαι / μήδομαι medomai, was soviel heißt wie „denken, sinnen“. Manche sagen auch, es wäre eine Ableitung vom lat. medius, was eher auf "Mitte" hinweist, was so falsch nicht ist, denn in der Meditation kann man einen Zustand erreichen, den man mit "innerer Mitte, in seiner Mitte sein" beschreiben kann. Und dieser Zustand ist nicht der schlechteste.

In Meditation zu gehen kann ein Weg zu sich selbst sein, zu seinem Inneren. Es kann ein Weg sein, seinen Geist zu beruhigen, sich zu „sammeln“, Klarheit zu erhalten im Denken, und sie kann helfen, heftige, chaotische, übermächtige oder negative Gefühle zu klären (und zu wandeln). Meditation kann zu einem Prozess der Bewusstwerdung werden.

Selbst die konventionelle Medizin weiß heute, dass Meditation (so wie auch Autogenes Training u.a.) begleitend zu anderen Therapien sehr gut helfen kann bei körperlichen Beschwerden, wie Bluthochdruck, chronischen Schmerzzuständen, Krebs, und bei psychischen Krankheitsbildern (Zwänge, u.a.). Patienten können dadurch einen anderen, besseren Umgang mit ihren Beschwerden erlernen, denn meist sind (schwerere) Erkrankungen verbunden mit verständlichen Ängsten, Unsicherheiten und Unruhezuständen. Erwiesen ist auch, dass regelmäßig durchgeführte Meditationen positiven Einfluss haben auf das Immunsystem und das Nervensystem.
(Siehe auch  Jon Kabat-Zinn: MBSR Mindfulness Based Stress Reduction)

Es existieren scheinbar unzählig viele verschiedene Meditationstechniken: Aktive Meditiationen (Tanzen, Gehen, Atmen, meditatives Schreiben, Bogenschießen u.a.), passive Meditation (z.B. Zazen, Achtsamkeitsmeditation, Fokussieren auf ein Mantra, u.a.), Fantasiereisen, geführte Meditationen, etc. Auch Yoga, Autogenes Training, Qi Gong, Tai Chi, etc. zählen zu den Meditationen.

Die wohl am meisten verbreitete Art der (passiven) Meditation in der westlichen Kultur ist die Achtsamkeitsmeditation
 
Achtsamkeit in diesem Zusammenhang bedeutet, gedanklich im Hier und Jetzt zu bleiben (nicht in Vergangenes oder Zukünftiges abzuschweifen). Man ist mit der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit ganz im Moment und nimmt eine beobachtende Haltung ein. Man nimmt wahr, was an Gedanken und Gefühlen und körperlichen Zeichen kommt, ohne sie zu bewerten oder sie verändern zu wollen. Einfach nur wahrnehmen und sein lassen.  Alle Gedanken, Gefühle, inneren Bilder, etc. werden liebevoll begrüßt und willkommen geheißen.

Das kann eine sehr interessante Erfahrung sein, denn wann sonst bleiben wir ohne Wertung für Gedanken oder Gefühle oder für sonstige, andere Phänomene, die uns im Alltag begegnen? Und wäre es nicht spannend, Menschen vorbehaltloser und vorurteilsloser begegnen zu können? Ohne Wertung, ohne Schubladendenken? Auch das kann "trainiert" werden. Ich möchte fast sagen, dass Achtsamkeitsübungen zu achtsamerem Selbstumgang führen und damit automatisch zur achtsameren Begegnung mit den Menschen um uns herum.

Regelmäßige Meditation kann helfen, seine eigene Intuition und Empfänglichkeit für feinstoffliche Energien und für die Wahrnehmung seiner eigenen Fähigkeiten und Talente zu schulen und zu stärken.

Nur nicht einschlafen...

Gerade am Anfang ist es nicht so leicht, nicht völlig abzuschweifen, oder sogar einzunicken. Hier eignet sich sehr gut das bewusste Atmen, d.h., sich völlig auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Das holt einen wieder gut zurück zu sich selbst.

Wer Gedankenleere erreichen möchte, kann alternativ eine Methode nutzen, bei der sich konzentriert wird auf einen bestimmten Gegenstand (z.B. Kerzenflamme, ein Punkt im Raum, ein Mantrabild, eine Blüte, etc.) oder auf in imaginäres, inneres Bild. Das Ziel ist, keine Gedanken fließen zu lassen, keine Abschweifungen. Die Konzentration liegt in der Betrachtung, und nur darin, ohne Gedanken darüber. Hilfreich dabei kann wiederum das Folgen des eigenen Atems sein, oder das Sprechen eines Mantras (z.B. beim Betrachten einer Kerze das Wort "Kerze"). Gleiches ist möglich mit einer bestimmten, meditativen Musik.

In jedem Fall gilt: Man sieht oder hört einfach, was da ist, ohne Kategorisierung, ohne Vergleich, ohne Zuordnung, ohne Verknüpfung.

Das alles kann helfen bei Stressreduktion, Schärfung der Sinne, Stärkung der Konzentrationsfähigkeit.
Es schafft Momente des Innehaltens, der Ruhepausen, und kann zur Rückbesinnung führen (Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Was tue ich hier eigentlich? Folge ich meinem Herzen? Macht mein Leben Spaß? Etc.).

Es reicht völlig aus, sich wenigstens 5 - 10 Minuten Zeit dafür zu nehmen, dies aber regelmäßig, z.B. morgens oder abends vor dem Zubettgehen. Mit der Zeit wird sich die Dauer von selbst ausdehnen. Mir selbst fielen anfangs schon 10 Minuten schwer. Heute bin ich oft überrascht, dass eine Stunde oder mehr vergangen ist. Einhergehend damit ist immer eine tiefe Dankbarkeit für die Erkenntnisse und eine Dankbarkeit dem Leben gegenüber, die ich verspüre, und eine tiefe Ruhe und Gelassenheit.

Ein Meditationsbeispiel, um positive, emotionale Grenzen zu setzen:
 
Setzen Sie sich an einen ruhigen Ort gerade, aber bequem hin. Die Füße stehen nebeneinander fest auf dem Boden, die Hände ruhen bequem auf den Oberschenkeln (Handflächen können nach oben gerichtet sein).
Erlauben Sie sich, Gedanken über gestern oder morgen beiseite zu lassen und bringen Sie Ihre Achtsamkeit in den gegenwärtigen Moment.
Achten Sie auf Ihre Atmung: Spüren Sie, wie jeder Teil Ihres Bauches, Ihrer Lungen und Ihres Mundes auf Ihr Ein- und Ausatmen reagiert.
Stellen Sie sich vor, wie jeder Gedanke oder jede Sorge wegfliegt, wenn Sie ausatmen. Während Sie zuschauen, wie Ihre eigenen Gefühle von Ihnen weg in den Äther schweben, achten Sie auch auf die Gefühle anderer, die Sie vielleicht mit sich herumtragen und die nun auch aus Ihrem Energiefeld entlassen werden. Spüren Sie, wie Ihre emotionalen Grenzen mit jedem Atemzug lebendiger und klarer werden.
Kehren Sie immer wieder zu diesem achtsamen Loslassen zurück und zum Akzeptieren Ihrer natürlichen Gefühle und wahren Gedanken. Lassen Sie Ihren Fokus in Richtung Liebe und Selbstwertgefühl wandern. Laden Sie diese gesunden Gefühle und Gedanken mit jedem Einatmen in Ihren Körper und Ihr Leben ein.
Verweilen Sie hier eine Weile: loslassen und akzeptieren mit dem Ausatmen; annehmen, was IST, mit dem Einatmen.
Beenden Sie diese Sitzung mit einem Gefühl der Dankbarkeit sich selbst und dem Göttlichen in Ihrem Herzen gegenüber.


 (Quelle des Meditationstextes: Cyndi Dale - Das Handbuch der Energiemedizin)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0