Der Irrtum vom "positiven Denken" - und was wirklich wirkt
"Du musst nur positiv denken, dann ..."
„Du musst nur positiv denken.“
Ein Satz, den sicher viele Menschen kennen. Und einer, der – so gut er gemeint ist – oft mehr inneren Druck erzeugt als Veränderung. Das war auch einer der ersten "esoterischen Weisheiten", die ich gelernt habe. Bücher darüber schossen schon viele Jahre wie Pilze aus dem Boden. Und irgendwann nahm die Zahl derer, die sich unfähig fühlten, weil sie glaubten, SIE würden etwas falsch machen, zu. Große Enttäuschung. "Ich denke die ganze Zeit positiv! Ich spreche ständig meine positiven Affirmationen leise vor mich hin - aber nichts hat sich verändert!"
Was, wenn IN dir gerade etwas ganz anderes lebendig ist? Was, wenn da Angst ist in dir? Traurigkeit. Erschöpfung. Wut. Enttäuschung. Resignation.
Über all das legst du nun noch ein „es ist alles gut“.
Irgendetwas musste doch aber dran sein! Die klugen Menschen, die Bücher darüber schrieben und Seminare veranstalteten, konnten sich doch nicht so irren.
Ich will das Prinzip des positiven Denkens nicht verallgemeinern und nicht verurteilen! Grundsätzlich und allgemein ist das etwas Gutes.
Ich beziehe mich auf diese oft gegebene Empfehlung in Situationen, in denen es einem Menschen nicht gut geht, in der er in einer gesundheitlichen und/oder emotionalen Not ist, hinter der meist falsche Glaubenssätze stecken. NEIN! NICHTS IST GUT!
Der innere Konflikt zwischen denkendem Geist und Körper
Menschen versuchen, sich in schwierigen Situationen bewusst „hochzudenken“. Sie sagen zu sich selbst: „Ich schaffe das.“ „Alles wird gut.“
Das ist nicht verkehrt. Und manchmal tut es im akuten Moment gut, so etwas zu hören. Du willst ja schließlich, dass alles gut wird.
Doch gleichzeitig vermittelt der Körper etwas völlig anderes. Er empfindet → Enge im Brustraum, → Druck im Bauch, → Unruhe im Nervensystem, → eine zugeschnürte Kehle, → Verspannungen und Kopfschmerzen, → tränende Augen, → plötzliche starke Rückenschmerzen, → große Müdigkeit, usw.
Hier entstand ein Spannungsfeld, das oft übersehen wird - geboren aus dem Konflikt zwischen dem, was du glaubst – und dem, was dein Körper weiß.
Und genau deshalb funktioniert positives Denken meistens nicht so, wie wir es uns wünschen.
Warum positives Denken allein nicht funktioniert
Unser Körper-Geist-Seele-System reagiert nicht primär auf Worte. Sondern auf das, was im Körper durch diese Worte empfunden wird. Das Nervensystem verarbeitet Gefühle als Realität – egal, ob sie durch äußere Ereignisse entstehen oder durch innere Vorstellungen. Sobald ein Gefühl im Körper spürbar ist, ist es für dein Nervensystem real.
Wenn du dich unglücklich, schrecklich, verlassen fühlst, weil du gerade deinen Job oder einen Menschen verloren hast, bist du unglücklich und alles ist in dieser Zeit einfach schrecklich. Punkt. Und das ist völlig verständlich und normal. Kommt jetzt jemand und sagt dir "du musst einfach positiv denken, dann wird das schon" ... würdest du ihm das glauben? In diesem Moment, in dem du das Gefühl hast, die Welt ist dunkler geworden und einsamer? Was, wenn du dennoch dreimal täglich vor dich hin betest "alles ist gut" - glaubst du das? Fühlst du das? Vermutlich eher nicht.
Nehmen wir einen anderen Fall. Einen chronischen Zustand (der auch viel öfter im Leben vorkommt). Ein Mensch mit Angst- und Panikzuständen. Schon seit Jahren. Keine Therapie hat bisher angeschlagen, die Attacken kommen immer wieder, aus heiterem Himmel. Wenn er den Rat beherzigt, jeden Tag morgens und abends inbrünstig in sich hineinzudenken "ich habe keine Angst, ich bin frei von allen Ängsten, ich lasse all meine Ängste los, usw." - glaubst du, das wird helfen?
Nehmen wir an, jemand hat eine chronische Krankheit, deren Hintergrund eine falsche Überzeugung, ein falscher Glaubenssatz über sich selbst ist, wie beispielsweise "ich bin zu viel, nicht gut genug, zu dumm, wertlos, unwillkommen auf dieser Welt ...". Und dieser Mensch hat in einem Buch gelesen, er solle den Glaubenssatz ändern und immer wieder innerlich - entgegen seiner inneren Überzeugung! - denken "ich bin wertvoll, ich bin genug, ich bin klug, ich bin willkommen" - was denkst du, was das bewirkt?
Ein (neuer) Gedanke wird erst dann wirksam, wenn er im Körper ankommt.
Wenn er für möglich gehalten werden kann.
Wenn er dir ein starkes, echtes Gefühl vermitteln kann!
Denn genau das taten auch die Gedanken,
die den Menschen krank gemacht haben!
Wenn du also versuchst, positiv zu denken, dein Körper aber Stress, Angst oder Enge signalisiert, entsteht Widerstand statt Einklang. Weil du das, was gerade in dir ist, verleugnest und unterdrückst.
Wenn wir uns selbst "positiv übergehen"
Wir Menschen haben gelernt, unangenehme Gefühle zu überdecken. Mit Gedanken. Mit Disziplin. Mit „positiver Ausrichtung“. Durch Ablenkung verschiedenster Art.
Doch das ist oft nichts anderes als ein inneres Übergehen dessen, was wirklich da ist. Ein Versuch, etwas zu verändern, ohne es wirklich zu fühlen. Nach dem Motto "ich sehe dich nicht, also bist du nicht da". Die Vogel-Strauß-Strategie funktioniert aber nur für einen Moment, an der Oberfläche.
Gefühle, die schmerzen, entstanden aus Gedanken/Erfahrungen, die krank machen, sind im Körper gespeichert. Sie verschwinden nicht einfach. Ihr Wesen ist es, dass sie gesehen und gefühlt werden wollen. Wenn das geschieht, lösen sie sich auf. Bis dahin wirken sie weiter – oft subtil, aber dauerhaft.
Positiv denken vs. bewusst fühlen - ein entscheidender Unterschied
Echte Veränderung beginnt nicht im Kopf. Sondern im Erleben. In der Verkörperung.
Das bedeutet nicht, dich in negativen Zuständen zu verlieren. Sondern ihnen für einen Moment ehrlich zu begegnen.
→ Was ist gerade wirklich da?
→ Wie fühlt sich das in meinem Körper an?
→ Was signalisiert mein Nervensystem gerade?
Erst wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, kann es sich verändern.
Mein Tipp: Drück es nicht weg, sondern lass es da, als stünde es vor dir. Du siehst es, und du spürst es. Du magst es nicht, du willst es nicht mehr in deinem Leben. Aber es ist nun einmal gerade da - und das aus einem guten Grund, den dir niemand abspricht.
Stell dir vor, dieses beschixxene Gefühl will dir gar nichts Böses. Es ist einfach nur ein Gefühl, aus einem Gedanken entstanden. Was, wenn du den Gedanken ändern könntest? Und das Gefühl? Was, wenn du erkennen würdest, dass DU die Macht dazu hast?
Das bedeutet selbstverständlich nicht, das Erlebte zu verleugnen oder zu negieren. Vielmehr geht es darum, dir zu erlauben, in deinem Leben auch wieder "anders" fühlen zu dürfen!
Positiv denken vs. positiv ausdrücken
Hier liegt ein entscheidender Schlüssel:
Positives Denken als Transformator eines inneren schmerzvollen Konflikts versucht, einen Zustand zu erzeugen, der (noch) nicht da ist. Es fühlt sich oft an, als ob du dich selbst belügst.
Bewusstes positives Ausdrücken im alltäglichen Leben setzt bei deiner inneren Wahrnehmung an und richtet sie sanft aus. Denn wohlgewählte Worte tragen heilsame Schwingung. Gedanken lenken Aufmerksamkeit. Und das, worauf du immer wieder deinen Fokus richtest, beginnt in deinem System zu wirken.
Ein kleines Beispiel dazu: Welcher Satz schwingt höher und feiner? "Ich werde nicht krank!" oder "Ich bleibe gesund." Richtest du dich auf die Energie des Wortes "krank" aus, oder auf die des Wortes "gesund"?
Ich greife nochmal den Satz vom Anfang auf: "Ich denke die ganze Zeit positiv! Ich spreche ständig meine positiven Affirmationen leise vor mich hin - aber nichts hat sich verändert!"
Dies ist deshalb so, weil in deinem Inneren eine andere Wahrheit existiert! Und die hat nichts mit der positiven Affirmation zu tun, die du dir eintrichterst. Der Konflikt wird dadurch nur größer.
Sprache als innere Regulation
Wenn du dich ständig negativ ausdrückst, verstärkst du diese Qualität in deinem System. Nicht, weil du „etwas falsch machst“. Sondern weil dein Nervensystem darauf sofort und entsprechend reagiert.
Sprache beeinflusst dein inneres Erleben unmittelbar.
Bewusste Worte können daher wie eine feine Form von Regulation wirken: klärend - ausgleichend - unterstützend. Als bewusste Neu-Ausrichtung.
Was deinem Körper wirklich hilft
Es ist kein entweder-oder, es ist eine Reihenfolge:
- Wahrnehmen, was wirklich da ist.
- Fühlen, was im Körper spürbar ist.
- Dann bewusst ausrichten – über Sprache, Gedanken und Fokus.
Erst wenn dein Körper mitgeht, kann sich etwas nachhaltig verändern.
Mini-Übung: Vom Denken ins Fühlen
dWenn du magst, schenke ich dir hier eine kleine Mini-Übung:
Nimm dir einen Moment Zeit.
Schließe – wenn es sich stimmig anfühlt – die Augen.
Und frage dich:
Was ist gerade wirklich da – jenseits von dem, was ich denke?
Spüre in deinen Körper:
→ Wo ist Enge?
→ Wo ist Weite?
→ Wo ist Bewegung?
Bleibe für einige Atemzüge genau dort.
Und erst dann formuliere einen Satz, der sich für dich stimmig anfühlt und ehrlich. Einen Satz, der dein Herz berührt, weil er ausdrückt, was deine Sehnsucht ist!
Spüre, wie es sich im Körper anfühlt: Welche Empfindung ist in deinem Körper, an welcher Stelle?
Wenn du das miteinander verwoben hast (Problem/schwerer Gedanke - Körpergefühl - Sehnsuchtsgefühl), bist du vom Verstand ins Herz gerutscht. Vom Denken ins Fühlen. Und jetzt kann im Nervensystem Veränderung passieren.
Eine kleine Einladung zur Selbstbeobachtung
👉 In welchen Momenten versuchst du, positiv zu denken, obwohl sich etwas ganz anders anfühlt?
👉 Was verändert sich, wenn du innehältst und zuerst fühlst, statt sofort umzudeuten?
👉 Und wie wirkt sich deine bewusste Sprache auf deinen Körper aus?
Dein Körper reagiert nicht auf irgendwelche Konzepte. Er reagiert immer auf das, was du wirklich fühlst!
Genau dort beginnt echte Veränderung.
Herzliche Frühlingsgrüße - von Herz zu Herz
Corinna
Copyright: Corinna Stübiger - HeilRaum für innere Wandlung

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Carolin Wiedmann (Dienstag, 31 März 2026 08:10)
Liebe Corinna, vielen lieben Dank - das sind die richtigen Worte zur richtigen Zeit, auf den Punkt gebracht.
Von Herzen, Carolin
Christine (Dienstag, 31 März 2026 08:34)
Liebe Corinna, ja, die Sätze: "Denk nur positiv, dann ist alles wieder gut" habe ich hundert mal gehört und nichts hat es gebracht und es entsteht lediglich dieser Widerspruch mit der inneren Wirklichkeit. Ich kann dir mit der Reihung - zuerst Wahrnehmen, bewusst fühlen und erst dann die Gedanken ausrichten - gut folgen. Schön formuliert ist, dass die sogenannten negativen Gefühle nichts Böses wollen, sondern aus dysfunktionalen Gedanken entstanden sind. Und es dann gilt, diese zu identifizieren und zu verändern mit dem Hinweis, dass wir durchaus in der Lage sind, das tun zu können als Schöpfer_innen unseres Lebens. Bei der Frage, was höher schwingt: "nicht krank" oder "gesund", kann es wohl nur der Begriff "gesund" sein. So will ich ja sein und das plastische Vorstellen dieses Wortes "gesund" spürt sich im Körper und auf der emotionalen Ebene gut an. Bei "nicht krank" bleibt "krank" hängen. Auch, wenn ich bei "nicht" hängenbleibe, ist es etwas, das keine positive Resonanz gibt. Bei der Übung kam ein ganz schwieriges Beispiel, die Angst meine Schwester zu verlieren wegen Krankheit. Da habe ich mich beobachtet, dass ich die Gedanken wegschieben wollte, aber in Wirklichkeit die Gefühle nicht fühlen wollte. Und dann quollen Ängste und Trauergefühle hoch, was ich oft unterdrücke. (Gleichzeitig habe ich alle möglichen Allergien, die sich v.a. durch gerötete, gereizte Augen auswirken mit roten Flecken um die Augen herum, als ob ich stundenlang geheult hätte). In der Übung gelang es mir schließlich in der Gegenwart anzukommen, wo meine Schwester vor dem Computer sitzt und eine Arbeit lektoriert. Ich gab meinen Gedanken die Anweisung, im Hier und Jetzt zu bleiben. Das brachte ein innerliches Schmunzeln hervor, was ich anfänglich nicht erwartet habe. Danke Corinna!
Susanne Gnann (Dienstag, 31 März 2026 08:47)
Hallo du Liebe,
Es fühlt sich nach einem Weg an den ich solange schon suche um raus aus der Angst und der Trauer zu kommen. Ehrlich sanft und hoffnungsvoll.
Danke ��
Erika Schwung (Dienstag, 31 März 2026 09:24)
Liebe Frau Corinna,
Danke für Ihre ausführlichen und so passenden Worte. Gerade bin ich mit mir und diesem Thema beschäftigt und nun fühle ich mich noch mehr verstanden - denn mein positiv denken und Leben war mein vermeintlich bestes ‚Handwerk‘ - dann zeigte mir mein Körper den Weg zur Wahrheit….Brustkrebs links, und das mit 75 Jahren. Bis dahin hielt ich mich für ‚pupsgesund‘ und mein Körper/Geist/Seelen-Team ließ mich bis dahin auch wach und positiv sein für die Aufmerksamkeit für das Sein, Innen so wie Außen‘.
Nun, so gab ich mir nach der Diagnose 2 Jahre Zeit und ‚arbeitete‘ erst recht mit dem positiven Denken, Meditationen etc., bis ich dann dank meinem Körper und seiner ‚an ihm nagenden‘ Schmerzen aufgeklärt wurde. Ich habe meine vakuumierten Gefühle gefunden. Und es ist spannend, interessant und natürlich nicht ganz einfach, die Gefühle zu spüren, zu sondieren und die Angst von ihrem Umklammern zu befreien und zu verstehen. Unter ihrer ‚Aufsicht’ lag meine nie ausgelebte Wut, die mir nicht bewusst war.
Meine momentane ‚Exkursion‘ in Sachen Fühlen, Beobachten ohne zu Bewerten wird durch Ihre Worte, liebe Frau Corinna, so sehr unterstützt und auf wunderbare Art und Weise bestätigt.
Danke, dass ich Sie und Ihre Seite gefunden habe - fühlen Sie sich herzlich umarmt und gegrüßt- Erika
Sabine Radermacher (Mittwoch, 01 April 2026 06:36)
Liebe Corinna, ich danke dir für deine wertvollen Blogs . Du bist ein Geschenk � für mich. Danke � . Licht und Liebe für DICH ✨
Katharina (Mittwoch, 01 April 2026 10:46)
Du Liebe, das ist eine wundervolle Zusammenfassung von dem, was ich seit Jahren "predige"! Deine Worte zu lesen, ist eine schöne Bestätigung meines Wissens, Lehrens, Tuns und Lebens! Ich danke dir und freu mich, so eine weise Freundin an meiner Seite zu haben! Alles Liebe, Katharina